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Sunday, 25 May 2008

SEX & DRUGS AND FISCHSTÄBCHEN > The Fortsetzungsroman - What happened so far..

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Ich denke, daß es gut ist, wenn ich alles beschreibe, weil ich ein ungewöhnlicher Mensch bin. Ich will schreiben wie Film, denn so ist mein Leben... Und wenn ich es später lese, ist alles wie Kino. So sehe ich mich in Bildern... Aus Kinos kommt eine Musik, das sind Platten, auf denen vererbt man sich die Stimme von Menschen. Mein Herz ist ein Grammophon und spielt aufregend mit spitzer Nadel in meiner Brust.

Irmgard Keun, Das kunstseidene Mädchen


Ich glaube, das ist ein kleiner Kampf... ein kleiner persönlicher Kampf, den ich mit dem Denken führe. Denken hat viel damit zu tun, daß man gewisse Sachen als gegeben hinnimmt. Es ist aber etwas völlig anderes, wenn man etwas wirklich sieht... sie sagen zum Beispiel "Der Stuhl" - da drüben steht ein Stuhl. Sie haben einfach die soziale Konditionierung zu wissen, was ein Stuhl ist... aber das hat nichts mit Sehvermögen zu tun. Im Grunde sehen sie ihn nicht. Wenn sie mich ansehen... sie erleben etwas im Bruchteil einer Sekunde aber sie müssen praktisch durch mich hindurch sehen, um mich zu sehen - verstehen sie, was ich meine? Es ist unmöglich, mich wirklich zu sehen.

Willem De Kooning


Wir alle gehen durch die Welt und versuchen herauszufinden, wo jemand anderer steht und daran mißt man sich. Das Bild, das du von mir hast, das Bild, das ich von meinem Bruder habe, das Bild, das mein Bruder von mir hat... je mehr Leute mit anderen Leuten zusammen sind, umso besser lernen sie sich in vieler Hinsicht kennen, aber sie hängen auch an ihren eigenen Konzepten und pressen die Leute in genau das Muster, das sie sich die ganze Zeit von ihnen machen. Davon kommt man nicht weg. Was ich sagen will, ist, wie ironisch es ist, daß niemand wissen kann, wie jemand anderer denkt. Ich könnte dir sagen, wie ich denke - wenn es dich interessiert - aber es kommt trotzdem nicht rüber. Die Wörter sind nicht das, wofür man sie hält.

John Steinbeck IV.


SEX & DRUGS AND FISCHSTÄBCHEN > The Fortsetzungsroman

ein winziges, unglaublich aggressives, echsenartiges ding verfolgt mich durch das haus meiner eltern, schnappt nach mir, erwischt mich, reißt fleisch von meinem körper, ist überall gleichzeitig. ich wehre mich so gut ich kann, schlage um mich, renne weiter, das ding immer dicht an mir dran, treppe rauf, treppe runter - scheiße, wohin? - treppe wieder hoch und plötzlich schießt es mir durch den kopf: heimvorteil, denke ich, du hast doch heimvorteil und in dem moment reißt mir das ding die linke kniescheibe raus, kreischt hysterisch. komisch, denke ich, auf einmal macht das ding geräusche, denke ich, aber das bin wohl ich, der da hysterisch kreischt, denke ich und schaffe es die nächste tür hinter mir zu zuschlagen, wobei der angreifer im sprung innen an der türklinke hängen bleibt. ich sehe ihn durch die tür hindurch im schlafzimmer meiner eltern umher taumeln, lautlos, mit einem heraushängenden auge und...

Das Telefon klingelt - zweimal - dreimal - dann meine Ansage vom Band und während ich noch im Halbschlaf meinen Körper auf Bißwunden untersuche, höre ich Marc's Stimme blechern durch den Raum schweben.
- Hi Alex, hier ist Marc. Paß mal auf Schatzi... also, ich... (sekundenlange Rumwuselgeräusche, der Hörer wird abgelegt, Marc entfernt sich, murmelt vor sich hin - eine halbe Minute Stille - er niest drei Mal hintereinander, danach eine kurze Pause, dann ein lauter Rülpser)... oh man, bin ich blöd oder was!?... (er nähert sich wieder dem Telefonhörer)... wo ist denn der Scheiß?! (und da ist er auch schon wieder)... also, ich hab heute um... ähm... sechzehn Uhr so'n Fototermin für... ach fuck, ist jetzt auch egal. Du hast doch dieses große Russ Mayer Plakat mit der Frau in Leder, die so böse guckt und das wäre toll, so als Hintergrund und ich hab eh keinen Bock mich bei mir zu Hause fotografieren zu lassen... also rufst du mal zurück Alter... wo bistn du eigentlich!!? Pennst doch sonst immer bis zwölf, tschau!

Marc ist Rockstar. Also nicht so richtig aber schon ein bißchen. Unter dem Pseudonym 'Patsy Hearst' und dem Einfluß diverser bewußtseinserweiternder Drogen stolziert er - gestyled wie die abgefuckte Tochter von Liberace und Bootsy Collins - am Rand kleiner Bühnen auf und ab, während hinter ihm eine vierköpfige Gang fast nackter Szenegestalten auf ihren Instrumenten ackert. Wild um sich gestikulierend, kreischt Marc 'Patsy Hearst' Brettschneider Textfetzen, die er aus alten John Waters Filmen geklaut hat, über die psychedelischen Lärmschleifen. Am Besten finde ich, daß Marc eine Gitarre umhängen hat, auf der er während des ganzen Konzerts zwar keinen Ton spielt, die aber trotzdem über einen riesigen, voll aufgedrehten Verstärker einen permanenten waffenscheinpflichtigen Pfeifton absondert. Es ist wirklich unerträglich. Die Band heißt PITBULL DIANETIK und vereinzelte Musikvisionäre behaupten standhaft, sie seien "Das neue Ding in spe". Anfang des Jahres sind sie mit ihrer ersten Single 'Celebrity Burnout' sogar in irgendwelchen Independentcharts gelandet, aber nachdem alle Hardcorefans das Teil gekauft hatten, auch genau so schnell wieder rausgeflogen. Marc, die manische Depression in einer Art Menschengestalt, dachte bei Charteinstieg er würde jetzt Millionär, nur um sich wenige Tage später (bei Chartausstieg) in einer monatelangen Selbstmitleidsdepression zu suhlen, die er allerdings (je nach Tagesform) immer wieder gerne unterbrach, um sein musikalisches sowie geschäftliches Umfeld als "Debile Nichtskönner mit null Ahnung!" zu bezeichnen und allen (schuldig oder nicht) bis weit über die jeweiligen Schmerzgrenzen auf den Sack zu gehen. Es war schrecklich für alle Beteiligten, jetzt aber Schnee von gestern, denn PITBULL DIANETIK waren mit dem psychisch labilen Ex-Bassisten von KAJAGOOGOO (den Marc vor Beginn des Produktionsprozesses immer nur mit religiös verzücktem Gesichtsausdruck "Die Legende" nannte) in dessen abgeranztem Hausbootstudio in Amsterdam. Tagsüber haben alle Magic Mushrooms gefressen und gruppendynamisch von Deck aus die Wasseroberfläche beobachtet, um dann Nachts vollgepumpt mit psychedelischer Weltanschauung ihre Instrumente zu vergewaltigen, während "Die Legende" nebenan in einer mäßig schallisolierten Kabine auf einer Metadonwolke hinter seinem selbst gebauten Mischpult schwebend mit einer Art elektronischem Didgeridoo improvisierte und das Gejammer gleichzeitig mit den kakophonischen Terrornoiseorgien der Band aufzeichnete. Marc kam (wie immer völlig verstrahlt) erst am letzten Tag der Aufnahmen dazu, weil er, nachdem er sich gleich am Amsterdammer Busbahnhof mit billigem polnischen Liquid Extasy die wenigen noch vorhandenen Synapsen frittiert hatte, tagelang im Schlepptau eines belgischen Transvestiten durch die Stadt geirrt war. Es gab dann sofort einen sehr häßlichen und lautstarken Eklat über die sechs Didgeridoo-Spuren, die sich, deutlich in den Vordergrund gemischt, auf jeder Aufnahme befanden und sich dummerweise wegen eines angeblich technischen Problems, an dem keiner Schuld haben wollte, nicht mehr von dem übrigen Pittbull-Krach trennen ließen.

Der vom Nachdenken darüber, daß er ohne einen baldigen Radiohit den Betrieb seines kleinen visionären Plattenlabels würde einstellen müssen, äußerst angespannte Finanzier der ganzen Chaosaktion kam am nächsten Tag angereist, hörte sich völlig versteinert zweimal hintereinander die Aufnahmen an (Marc hatte in der vergangenen Nacht noch, völlig außer sich vor historisch relevantem Zorn, seine Gaga-Texte auf das Band gekeift) und dann stritten sich alle Beteiligten noch einmal, wobei das Kapital (in Person dessen, der die Produktionsmittel bezahlt hatte) sich mit Hilfe seiner Handlanger (in Person des legendären Bassisten der Band Kajagoogoo und der restlichen Band, die ihre einstimmige Pro-Didgeridoo-Entscheidung nach Abklingen der Magic Mushrooms aufs Äußerste bereute) wieder einmal gegen die Werktätigen (in Person von Marc'Patsy Hearst' Brettschneider) durchsetzen konnte und so wurde gegen Marc entschieden, der verzweifelt didgeridoofreie Neuaufnahmen gefordert hatte. Es war vergeblich. Die Allianz des Kapitals und seiner verwirrten Erfüllungsgehilfen hatte gewonnen. Die dunkle Seite der Macht (das Kapital in Form des Eigners der Produktionsmittel) verkündete das sofortige Einfrieren derselben und beschloss, das Schicksal (in Form des freien Marktes) über das jetzt extremst polarisierende Produkt (in Form eines progressiven Konzeptalbums) entscheiden zu lassen. Vielleicht würde ja ein Wunder geschehen...
Nun kommt also bald die neue Platte und der um seine künstlerische Kontrolle betrogene Werktätige wird ja offensichtlich auch schon wieder fotografiert. Von wem auch immer.
Ich rufe Marc zurück und sage ihm, dass ich eh um halb drei zur Arbeit muß und er meinen Wohnungsschlüssel unter der Fußmatte findet.

Als ich unten am Briefkasten vorbeikomme fällt mir ein, dass ich mal wieder den Brief an meine Eltern vergessen habe. Er liegt seit Tagen versandfertig auf meinem Schreibtisch und ich hoffe ganz ehrlich, dass er da noch lange liegen bleiben wird: Der peinliche Bittbrief, in dem es explizit um Geld geht. Geld, das ich nicht habe, weil ich seit Monaten mehr ausgebe als ich verdiene. Ich weiß, dass ich da in guter Gesellschaft bin aber das beruhigt mich nicht wirklich.
Von Mai bis Oktober hatte ich noch einen prima Job als Aufsicht im Technischen Museum nur war der leider befristet. Zur Zeit knechte ich viermal die Woche bei HAPPY VIEW VIDEO, wo ich mir bei abwechselnden Früh- und Spätschichten für sechs Euro pro Stunde die Beine in den Bauch stehe, wobei der Museumsjob nicht nur besser bezahlt war, ich hatte dort vor allen Dingen meine Ruhe. An meinem neuen Arbeitsplatz läuft dagegen den ganzen Tag - voll aufgedreht und fest eingestellt - Radio 104.6 mit den tollsten Hits der 70er, 80er, 90er, und dem Besten von Heute. Wenn man da nach acht Stunden rauskommt, dröhnt einem der Schädel, als hätte man eine vietnamesische Wassertropfenfolter hinter sich. HAPPY VIETNAM VIDEO. Das Tragen eines amerikanischen Stahlhelms mit Tarnbezug und ironischer Eddingbeschriftung (wurde mir letzte Woche allerdings ausdrücklich verboten. Zumindest während der Arbeitszeit. Charly surft nicht. Was HAPPY VIETNAM VIDEO von bestimmt allen anderen Videotheken unterscheidet, ist die klare logistische Trennung von Videoannahme und Videoausgabe. Videoannahme, der eindeutig bessere Zeitvertreib, weil man ab und zu mal herum rennen kann um die Magnetschildchen wieder unter die ausgestellten Leerhüllen zu kleben, macht ausschließlich Herr Degenhardt, der nicht nur Geschäftsführer und Erfinder schwachsinniger Annahme/Ausgabekonzepte ist, er scheint auch in dem Laden zu leben. Kein Mensch kann auf Dauer immer früher kommen und später gehen. Beim Vorstellungsgespräch war er ganz angetan von mir, aber so nach und nach stellt er jetzt wohl fest, dass er mich eigentlich nicht ausstehen kann. Er hockt da also den ganzen Tag zwei Katzensprünge von mir entfernt, verfolgt jede meiner Bewegungen mit kritischem Blick und verflucht sich insgeheim dafür, keine Frau mit dicken Titten eingestellt zu haben. Der tragische Held unserer Geschichte (ich), paranoid & gefangen in einer

Z w e i m i n u t e n z e i t s c h l e i f e :

Die kleinen, speckigen Magnetschildchen vom Kunden entgegennehmen - zum großen Stahlregal hinter mir latschen - die Kassetten aus dem großen Stahlregal hinter mir heraussuchen - die Magnetschildchen an die Stelle der herausgeholten Kassetten kleben - zurück zum Tresen - die Karte mit dem Strichcode entgegennehmen - die Karte scannen - enter drücken - die Karte zurück auf den Tresen legen - aus dem Fach unter mir die erforderliche Anzahl Hüllen herausholen - die Kassetten in die Hüllen legen - scannen der Kassetten - enter drücken - schließen der Hüllen - das Papier aus dem Rechnungsdrucker links von mir abreißen und mit der lesbaren Seite in Richtung des Kunden zeigend, auf den Tresen neben die Videos legen - die Rechnungssumme auf dem Bildschirm rechts von mir ablesen - dem Kunden den Betrag nennen - das Geld entgegennehmen - die Kasse öffnen - Wechselgeld herausgeben - checken, ob die beiden Kulis noch auf der Theke liegen - die unterschriebene Rechnung vom Tresen nehmen - zweimal falten - "Auf Wiedersehen" sagen und sie, während schon der Nächste vor mir steht, in den Mülleimer neben dem Drucker werfen.

Genau wie bei Aldi, nur im Stehen. Und die ganze Zeit über muß man kommunizieren, denn rechts neben mir befindet sich noch eine zweite Video-Ausgabe und meine vier, in Wechselschicht rotierenden Mitarbeiter können das Maul nicht halten. Ein Quasselmarathon. Ohne Ausnahme. Nicht eine Minute. Immer reden, reden, reden, die ganze Zeit blablablablabla und immer in unnatürlicher Lautstärke, weil man ja gegen Radio 104.6 anbrüllen muß. Ich arbeite in einer Dorfdiscoaldizeitschleifenstehvideothek, in der niemand tanzt. Wie schön war dagegen die Zeit als ich in einer lustigen Uniform, weise lächelnd, durch die Hallen des Technischen Museums flanieren konnte. Der klassische Mac Job, bei dem man ohne Streß in aller Ruhe seinen Gedanken nachhängen kann. Das mache ich nämlich gern und langweilig ist mir dabei nie.

Am Abend auf Marens Party erklärt mir Verena in diesem typischen Verenastyle, so als wäre sie total auf Speed und Koks gleichzeitig - aber sie nimmt ja keine Drogen, weil sie meint, sie sei schon abgedreht genug und das kann ich nur bestätigen, also Verena erzählt mir, daß Frauen, die sie anscheinend persönlich kennt, die Attraktivität von Männern in einem Wertigkeitssystem aufschlüsseln. So, so...

Punkt eins: Charme. Unter diesen Oberbegriff fallen die folgenden Unterattribute: Humor, Aufmerksamkeit, Spontaneität und das reichlich schwammige "Dem Anderen das Gefühl geben, dass er sich wohl fühlt".

Punkt zwei: Aussehen. Unterattribute: Sehr gutes Aussehen, gutes Aussehen, ok Aussehen und interessant Aussehen.

Punkt drei: Sicherheit. Unterattribute: Viel Geld, genug Geld, bald viel Geld.

Was ist mit Sexy-sein? frage ich, worauf Maren mich von der Seite anstößt und ihre scheiß sexy Augen in meinen verhakt.
- Vincent Gallo ist super sexy!
Es tröpfelt mit einem dermaßen bedeutungsvollem Unterton aus ihrem Mund, dass ich es selbst fast glaube. Sie blickt verstohlen zu ihrem Freund, der am anderen Ende des Fernsehzimmers dieser überteuerten Prenzelberg-Wohnung mit einer widerspenstigen Chipstüte beschäftigt ist, dreht sich zu mir zurück (natürlich mit diesem 'Nimm mich, egal was passiert - Blick', den ich mir immer wieder gerne einbilde) und schon verhaken wir uns wieder, schauen uns viel zu lange an und sie spürt genau, dass ich in ihren Augen versinke aber sie hat alle Zeit der Welt und läßt mich genüsslich absaufen.
Während ich supersexybeschwingt Richtung Meeresboden gleite fragt mich Maren, was ich denn so bei Frauen attraktiv finde. Ich strecke meine Hand noch mal aus dem angenehm warmen Wasser, ziehe ausgiebig an dem riesigen genmanipulierten Joint, der gerade über mir vorbeikommt, gebe ihn an Maren weiter und erkläre ihr, während sie seltsam verschwommen mit dem Joint herum spielt, dass Attraktivität für mich eine sehr spezielle Mischung aus verschiedenen kleinen Dingen ist: Ein Duft, eine kleine ungelenke Geste, ein bescheuertes Hobby, sich gut zu bewegen, leidenschaftlich zu sein, nicht in Wertigkeitssystemen zu denken, den Augenblick genießen zu können, nicht immer reden zu müssen, kein Ziel zu brauchen, eine kleine Narbe, eine Schwäche, eine witzige Postkarte aus Wuppertal zu verschicken und dann meldet sich von Null auf Hundert dieser kleine, braune Krümel, den Marc und ich uns vor ein paar Minuten auf dem Klo geteilt haben und die gesamte Raumperspektive zerfließt in komischen Mustern und fällt über mich her oder ich über sie, das ist jetzt irgendwie nicht ganz klar aber auch egal, denn plötzlich stehen alle Partygäste auf und applaudieren mir. Alles passiert jetzt zeitgleich, also, fürchterlich komprimiert mit so kleinen Hackern dazwischen... Maren zieht ihr ärmelloses, schwarzes Lurexoberteil aus, drückt kichernd meinen Kopf zwischen ihre Brüste (das ist jetzt sehr schwarz und weich auf einmal) und dann wird's wieder sehr hell, alles fließt so bescheuert durcheinander und das Letzte was ich sehe, bevor ich offensichtlich in irgend so eine Ketamin Twilight Zone gesaugt werde, ist meine Unterschrift neben einem Comic-Hasen auf Verenas Gipsbein.

es ist nacht und ich gehe durch die straßen der stadt. alles liegt unter einer dicken schneedecke. keine menschen, kein verkehr. ich höre auf meinen atem, wundere mich darüber, dass ich sonst keinerlei anderen geräusche wahrnehmen kann aber da ist nichts mehr. du mußt atmen, baby... ich gehe schneller, atme stärker, steigere den rhythmus und beschleunige meine schritte, bis ich renne. kein geräusch außer meinem atem, der immer tiefer in mich hinein fährt, immer mächtiger wird. ich rase durch die häuserschluchten, die jetzt nichts mehr sind, als tote kulissen einer Parallelgegenwart, unfähig ein echo zu mir zurück zu werfen und je schneller ich werde, desto mehr lasse ich hinter mir. kleidung, haare, die haut, das fleisch, alles wird vom schneidenden gegenwind abgeschmirgelt und ich beschleunige weiter, immer schneller und schneller und das ist jetzt absolut klar... atmen, baby... ich weiß... ich weiß genau, dass ich endlich zur ruhe kommen werde - wenn nichts als mein atem übrig sein wird.

Direkt vor meiner Nase liegt, völlig versifft, einer meiner Schuhe. Der andere poltert von der Bettdecke, die ich vom Boden raffe, um mich zuzudecken. Mir ist kalt und mein ganzer Körper tut weh. Draußen ist es dunkel und die kleinen Leuchtzeiger meines Weckers stehen auf kurz nach neun. Ich liege eine Weile bewegungslos da, lausche dem gleichmäßigen Trommeln der Regentropfen auf dem Fensterbrett, versuche mich an die vergangene Nacht zu erinnern aber da ist nur das Bild, wie ich im strömenden Regen auf einer Art Baustelle bin und das irgendwie toll und abenteuerlich finde. Was war auf der Party los? Ich weiß, dass ich gestern bei Maren war - aber mehr nicht. Während ich weiter vor mich hin döse, tauchen in Zeitlupe aus den Tiefen meines geschundenen Gehirns vereinzelte Puzzlestücke auf. Ich erinnere mich an ein paar bekannte Gesichter auf der Party, zusammenhanglose Gesprächsfetzen, dunkel an das Klo von Maren, an Marc und dass wir dort irgendwelchen Scheiß genommen haben, aber ab da ist Filmriss. Meine Blase drückt und als ich vorsichtig aufstehe und von draußen ein wenig Kunstlicht auf mich fällt und ich an mir runtersehe, trifft mich fast der Schlag. Ich habe noch Hose, Strümpfe und T-Shirt an und alles ist völlig verdreckt. Ich glaubs nicht! Überall dunkelbraune, verkrustete Flecken. Auch an den Händen und - jetzt spüre ich es ganz deutlich - im Gesicht auch. Ich taste mich fluchend durch die dunkle Wohnung, Richtung Bad. Im Flur stolpere ich über etwas, dass mich entfernt an meine Jacke erinnert aber ich habe
gar keine Lust mir die jetzt genauer anzuschauen. Im Bad steige ich aus den stinkenden Klamotten, zünde ein Teelicht an und warte, auf dem Klo sitzend, bis die Wanne halb voll ist. Nebenan klingelt das Telefon - einmal - dann ist wieder Stille.

Nach dem Baden ist zwar der braune Scheiß von meiner Haut runter, mein bißchen Kreislauf allerdings endgültig am Boden. Während ich, zurück in meinem Zimmer, dampfend, in ein Handtuch eingewickelt, mit dem Rücken an der Heizung hocke und unentschlossen auf das halbvolle Päckchen Zigaretten neben mir starre, fällt mein Blick auf das, natürlich genauso versiffte, braun gefleckte Bett und dann muß ich sofort eine rauchen, wegen der schlechten Laune und dann noch eine und dann rufe ich endlich bei Marc an aber da nimmt niemand ab.
Bei Verena habe ich Glück. Sie lacht sich allerdings auf meine betont beiläufige Frage, was gestern Abend denn noch so los gewesen sei, erst mal halb tot und erzählt dann, dass ich irgendwann plötzlich Maren umarmt hätte und dann einfach umgekippt sei und man mich auf einen Stuhl gesetzt hätte und dann hätte ich sehr lange bewegungslos auf diesem Stuhl gesessen, die Augen halb auf und geatmet hätte ich ganz schwer und dann sei ich irgendwann aufgesprungen und hätte gehen wollen und Maren hätte mir noch meine Jacke angezogen weil ich sonst wohl ohne gegangen wäre. Und dann hätte ich Maren noch mal umarmen wollen und der Freund von Maren, der habe mich dann zur Tür gedrängt, worauf ich ihn mit den angeblichen Worten "Nimm deine ekligen Finger weg, du Wurst!" beschimpft, mich umgedreht und gegangen sei. Noch lustiger sei allerdings gewesen, dass Marc, kurz nach meinem Abgang, vor allen Leuten, mitten im Wohnzimmer, gekotzt hätte. Während ich kurz überlege, was daran jetzt lustiger sein soll, erzählt Verena kichernd weiter, dass sich Maren und ihr Freund darauf hin fürchterlich gestritten hätten und das dann auch das Ende der Party gewesen sei. Marc hätte zwar noch mal im Treppenhaus gekotzt aber Verena meint das wäre dann nicht mehr sooo spektakulär gewesen. Da bin ich ja - bis auf die undurchsichtige Baustellenaktion - einigermaßen glimpflich davongekommen, denke ich.
Wir plaudern noch eine Weile und ich erzähle von meiner Cousine, die sich mal beim Schaukeln beide Arme gebrochen hatte und dann sechs Wochen nicht mal mehr alleine aufs Klo gehen konnte. Die Geschichte kommt bei Menschen, die nur eine Extremität eingegipst haben, eigentlich immer ganz gut an aber Verena ist auch ziemlich fertig von gestern, gähnt dauernd und dann tun wir uns beide den Gefallen und legen auf. Ich mache mir einen löslichen Zitronentee, stopfe den ganzen braunen Scheiß in die Waschmaschine und schaue auf Video die Simpsonsfolge, in der Mr. Burns als vollgedrogter Atomgeist, hell erleuchtet, durch den Wald von Springfield schwebt. "Ich bringe euch Liiiiieebeee!!! " ruft Mr. Burns, während ich überlege, wer mir wohl Liebe bringt.

verdammt noch mal!!! hätte nicht gedacht, dass degenhardt ein so verdammt zäher kerl ist. schlitzäugiger motherfucker!!!
eins - zwei - drei - vier schläge voll ins gesicht. beim fünften geht er zu boden und reißt dabei spektakulär die halbe videowand in der pornoecke mit um. ein süßlicher geruch in meiner nase. schnaps, ein bißchen urin. gott sei dank ist er nicht k.o. gegangen! er atmet schwer, hustet und spuckt. sein riesiges blutunterlaufenes mutantenauge ist jetzt weit aufgerissen - kurze pause - er glotzt mich doof an, zuckt dann wieder unkontrolliert hin und her, hämmert verzweifelt mit der rückseite seiner matschbirne gegen den linoleumboden aber der fucker hat keine chance. meine linke hand umschließt fest seinen ledernen, dürren hals. mit der rechten schlage ich noch einmal so fest ich kann gegen seine schläfe, worauf er sich wieder ein bißchen beruhigt... atmen baby, du mußt atmen... neben seinem blutigen blumenkohlohr liegt die platt gequetschte, leere hülle von einem englischen wet panties nasty. Daneben - mit dem rückseite nach oben - best of horny budapest-teenies. ich sauge die elektrisierte luft ein und wieder aus, fahre währenddessen mit der freien hand über seinen hals, spüre unter meinem rechten daumen den spitzen knorpel auf und ab tanzen... du mußt atmen, baby... ich spiele eine weile damit, presse leicht dagegen, lasse wieder ein wenig lockerer und drücke ihn schließlich ganz langsam rein. es knirscht erst nur ganz leicht, dann ein
lauteres, knackendes geräusch, worauf der dämliche fuck sich aufbäumt und röchelnd eine dicke ladung blutigen rotz knapp an meinem gesicht vorbeihustet. seine dürren arme und beine zucken spastisch in alle richtungen aber ich bin mit meinen knien auf seinen schultern. er kann nicht weg. er ist unter mir festgenagelt, der knochige, gelbe fuck und zappelt hysterisch, wie eine fliege auf einer nadel und gleich ist es soweit. ich reiße den kopf nach oben in die klare, kalte nacht, sauge meine lungen voll, die feste stimme von picard: "tun sie es!!!" und dann explodieren die sterne und alles um mich herum ist nur noch weißes licht - reine energie.

Ich kann keinen Tag länger in dieser Scheißvideothek arbeiten.

Ich brauche unbedingt einen Job der mich weiterbringt.

Bald bin ich Dreißig.

Alle meine Freunde, bis auf Ecki, machen was Tolleres als ich und verdienen mehr Geld.

Soll ich wirklich weiterhin die Hälfte meines Lebensunterhalts mit Ladendiebstahl bestreiten?

Ich hasse diese Stadt und meine Wohnung.

Ich hasse meine Frisur.

Wenn ich mehr Geld hätte, könnte ich mich besser ablenken und mir so eine höhere
Lebensqualität vorgaukeln.

Ich sollte mal bei Maren anrufen.

Ich traue mich nicht bei Maren anzurufen.

Außerdem habe ich heute in VIETNAM lange darüber nachgedacht, wer ich - außer mir selbst, Rocco Siffredi oder Gott - am liebsten sein würde. Da mir keine wirklich lebenswerte real existierende Person eingefallen ist, habe ich mich kurz vor Feierabend für den ersten Offizier der Enterprise, Commander Ryker, entschieden. Also nicht so aussehen, aber den Job.
Als ich Marc abends davon am Telefon erzähle, meint er, er wäre am liebsten der Geliebte von Captain Picard. Ich versuche ihm zu erklären, dass es auf der Enterprise keinen Geliebten von Captain Picard gibt aber das ist ihm völlig egal. Er möchte einfach ein Maximum an Spaß mit einem Minimum direkter Verantwortung verbinden. Außerdem sei er schlecht gelaunt und müsse jetzt wieder ins Bett. Ok, dann unterhalten wir uns halt nicht. Tschüss, schlaf gut. Ich entscheide mich gegen Kiffen plus Fernsehen und mache statt dessen stolz ein bißchen Tai Chi. Als ich gerade bei 'Der goldene Fasan steht auf einem Bein' bin, klingelt das scheiß Telefon. Am anderen Ende ist Maren und sie hat schlechte Laune. Ohne Punkt und Komma kotzt sie mir ihre Beziehungsprobleme entgegen, erzählt mir private Sachen, die ich ihr über meine theoretische Freundin niemals erzählen würde und beendet die Litanei mit dem wunderbaren Satz "Ich glaube, ich sollte wieder alleine wohnen." Sie will dann wissen, ob ich von der Party noch gut nach Hause gekommen sei und ich sage, ganz in Gedanken an unsere gemeinsame Wohnungseinrichtung "Ja, ja, alles ganz wunderbar!" aber Maren merkt, dass ich lüge und verkündet trocken, das nächste Mal könne ich ja auch einfach zum Pennen da bleiben. Ich überlege krampfhaft, was sie damit jetzt wohl genau meint, hake aber nicht nach, sondern sage nur "Ok", wobei ich versuche dieses "Ok" möglichst verschwörerisch und bedeutungsschwanger klingen zu lassen, worauf dann allerdings Maren auch nicht weiter eingeht sondern anfängt sich über Verena zu beschweren. Mit der wäre ja wohl in letzter Zeit überhaupt nichts mehr los, früher wäre das anders gewesen und jetzt mit dem Gipsbein, da würde sie ja wohl nur noch zu Hause rumhängen. Nachdem ich zum tausendsten Mal die Geschichte meiner eingegipsten Cousine erzählt habe, bekomme ich, weil ich dummerweise total auf schlecht gelaunte Frauen stehe, einen starken, unkontrollierbaren Hormonschub und frage Maren, ob sie nicht Lust habe eine Nacht mit mir zu verbringen. Ich höre mich von einem "unmoralischen Angebot" faseln, worauf am anderen Ende der Leitung einige Sekunden lang totale Stille herrscht und bevor ich "April! April!" rufen kann, legt Maren auf.

Volltreffer , das Schiff ist versenkt. Ich sinke zu Boden, rauche dort vier Zigaretten und versuche mir ernsthaft einzureden, dass Maren bestimmt gleich zurück ruft, um mir verschämt zu gestehen, dass sie nicht habe auflegen wollen aber, überwältigt von dem Gedanken, dass ihre sexuellen Phantasien mit mir endlich wahr werden würden, wäre das wohl eine Kurzschlußreaktion gewesen und, na ja, ich solle das bloß nicht falsch verstehen, sie hätte sich einfach erst mal ein bißchen beruhigen müssen.
Das Telefon bleibt still in seiner Ecke sitzen und grinst mich für den Rest des Abends hämisch an.

rentner-sklave aber noch halbwegs rüstig - ein nichtraucher - für arbeit in biolandwirtschaft mit schafen, ziegen und pferden gesucht. keine finanziellen interessen. sklavenstall vorhanden. schöne domina - eine üppige füchsin - peitscht und experimentiert mit niedervoltspannung. in heaven...everything is fine. kekse von meiner mutter - vanillekipferl in einer abgegriffenen roten blechdose mit nikolausmotiv - da darf man vorher nicht zuviel von essen, sonst sind die heilig abend alle. mein opa mit einem gesicht wie baumrinde und einer dunkelbraunen gitarre aus. die familie neben dem baum, auf dem christina ricci, wie in dem moby-video, als engel sitzt. in heaven...marc jetzt mit der gitarre: es ist ein ros' entsprungen...everything is fine.
plötzlich alle zwischen den erbsensträuchern im garten der großeltern. erbsensträucher. der geruch. die schale mit in den mund, auslutschen, wegspucken. meine oma mit kopftuch, in der hand eine harke, schüttelt den kopf, wischt sich den schweiß auf stirn und nacken mit einem blau-weiß-braun karierten stofftaschentuch ab, schnäuzt dann noch mal rein, einmal, zweimal zusammenfalten, noch mal abputzen, einmal noch falten, wegstecken, fertig. musik, jetzt im park auf einer wiese, der mann mit dem baumrindegesicht. ich esse rumkugeln. in heaven...selbstgemachte rumkugeln...everything is fine, in heaven...erbsen, direkt vom strauch, aufknacken und in den mund stopfen, alle auf einmal...everything is fine, in heaven...oral-befriedigung, das volle programm, jetzt...everything is fine, die große, dunkelhaarige frau mit dem pagenschnitt in diesem supergeilen betty page - outfit, enger lackmini, stiefel, das volle programm, im wald, in die hocke gehen...you got your good thing...mit den händen über feuchtes moos streichen ...and i got mine - jetzt volles rohr gitarre, frank black, scheiße aussehen aber egal, zweimal noch den refrain... KREISCHEN ...thank you very much good night. vorhang.

- Ich dachte, es wäre eine Art Anfang...
- Wohl eher eine Art Ende. Du hast überhaupt nicht gedacht, keine Sekunde, du warst nur geil und hast über rein gar nichts nachgedacht!
- Naja, das war halt so ne dummgeile Spontanreaktion...
- Spontanreaktion? Auf was hast du denn reagieren müssen?
- Mann, auf Maren natürlich! Maren... macht... mich... total... gaga. Kapiert? Gagaaktion - Gagareaktion. Ist ja auch scheißegal, ich stehe halt manchmal komplett neben mir und dann ertrage ich das nicht und dann mache ich was, von dem ich denke, dass das der Situation ne totale Dynamik gibt - hops oder drops - Hauptsache es tut sich was, weil ich dieses ständige mittelmäßige, leidenschaftslose Getue - jeder in seinem coolen Schutzanzug - echt nicht mehr ab kann, Eliot, also T.S. Eliot, hat mal gesagt: "Dich zu wappnen gegen jedes Antlitz, das dich streift." Wir schauspielern alle. Weißt du... zu erkennen, daß es keinen Punkt geben wird, an dem sich das alles ändern wird... daß im nächsten Monat nicht alles besser sein wird und auch nicht im nächsten Jahr, im nächsten Leben. Daß man es sich nicht leisten kann, zu warten. Man muß sich einfach umschauen und sagen: "Das ist es also." Mehr gibt's nicht. Dieses kleine Bisschen, und niemand kriegt's. Jeder braucht ein bisschen... Selbstbestätigung von den Anderen, aber keiner kriegt's. Jeder, jeder versucht , auf Teufel komm raus seine eigenen kleinen Gefühle zu schützen. Weißt du, jeder streckt die Hand aus, ganz vorsichtig, und zieht sie dann zurück. Das ist so eng, und es kommt mir so... verdammt... es ist einfach ne Schande. Beinahe könnt's total gut sein und richtig und ganz offen und amorph, und das jeder gibt und alles. Aber so ist es nicht. Weißt du, es muß doch möglich sein, politische, soziale und ökonomische Bedingungen zu schaffen, die die Möglichkeit herbeiführen, daß die Menschen einander lieben. Wir müssen den neuen Menschen erschaffen , Che hat das gesagt... man denkt anders, man fühlt anders, man betrachtet Dinge anders... so lange das nicht passiert, da können alle lecker zu Essen haben und geile Klamotten und ne Achtzimmerwohnung in Mitte, und es gibt trotzdem noch keine Revolution...
- Alex?!
- Ja?
- Das ist ja alles unglaublich interessant, aber kannst du dann nicht ein bißchen geschickter vorgehen?
Er sieht mich jetzt mit diesem wunderbaren Ben Cartwright Blick an, den nur mein Vater in seinen Glanzzeiten hätte überbieten können. Und dann bricht es endlich aus mir heraus.
- Pa... ich glaube, ich habe grundsätzlich das Gefühl für Frauen verloren ...
- Heiliger Bullshit!!! Vergiß es einfach ...ok?!
Marc verliert an dieser Stelle immer fast die Geduld mit mir, kriegt sich dann aber in Gedenken unserer großartigen Freundschaft schnell wieder ein und leistet mir noch ein bißchen Beistand. Er muß ja auch nur zuhören, während ich leide.

Später sitzen wir dann noch rum, rauchen und Marc zeigt mir seine neue Gitarre. Ich habe von Gitarren nicht viel Ahnung aber das Ding sieht wirklich gut aus und das sage ich Marc und dann freuen wir uns darüber, dass Marcs neue Gitarre echt super aussieht.
Weil wir schließlich beide vor guter Laune fast platzen, gehen wir noch zusammen in diesen Film mit Vincent Gallo und Christina Ricci und danach hetze ich sofort nachhause, weil mein Handyakku schon seit Stunden leer ist und ich so ein Gefühl habe, dass Maren auf meinem Anrufbeantworter sein könnte und es ist noch nicht so spät und ich könnte sie noch zurückrufen und als ich endlich zurück in die Wohnung komme sehe ich schon von weitem, dass der AB blinkt und dann ist da zweimal hintereinander meine Mutter drauf, die wissen will ob es mir gut geht. Wenn die wüßte...

Ich rauche noch ein bißchen Gras und versuche mir auf Christina Ricci einen 'runterzuholen, was aber nicht wirklich funktioniert da ich dauernd an Maren und Vincent Gallo denken muß.

ich habe die absolute kontrolle über meinen körper. jede zelle, jedes einzelne molekül untersteht meinem direkten befehl. ich kann alles einzeln steuern und bewegen, kann jedes mikrokubik, jede scheiß nanozelle in mir zum schwingen und vibrieren bringen. energie! ich bin spartakus! evolution! i did it my way! volle konzentration, gleich hebe ich ab! hoppla, kozentrationslücke!!! ... der fleischliche feldherr stolpert über ein verchromtes pony auf dem eine schlechte idee sitzt. was wäre, wenn ich auf kontrolle scheißen würde? wenn ich den fleischsack, der über meinen knochen hängt, ein bißchen durchschütteln würde? mit den atomen jonglieren, a man's got to do, what a man's got to do...gottgleich...rock´n´rollll, baby!!! gelber alarm. ich könnte das wirklich tun. der erste mensch, der das kann! evolution durch konzentration und dann: mutation - der quantensprung! Hey ho!! let´s go!!! roter alarm.

ROTER ALARM!!! Ich bin jetzt irgendwie halb wach und der Traum tut so, als wäre er keiner. Ich werde gleich platzen - Echt!!! - Jedes einzelne meiner Atome wird gleich in ECHTZeit durch meine leider außer Kontrolle geratenen Turbowillenskraftkonzentrationsmeditation durchs Zimmer geblastert. Der Masterblaster. Ich werde mich selbst pulverisieren - quer durchs Zimmer... jetzt... verdammtes LSD-Gras...

...bist doch auch mal was anderes erleben heißt auch fühlen ist nicht wie früher eine andere welt zurückgelassen in der schale ist es wärmer bleibe ich länger gern doch andere gehen oh ja lassen mich noch ein wenig sein haarige larve mit kunstpelzhut muß wieder lernen zu fließen wobei das schwerste neben dem halten des bestmöglichen aggregatzustands ist - sich der form in der das glück einen sucht bewußt zu werden...

...der Formwandler wacht auf, ißt einen Mango-Pfirsich-Joghurt mit Bifido-Bakterien und tendiert in der Küche am Kühlschrank lehnend zur Ei-Form.